Leokadia Justman und die Bedeutung des Erinnerns
Im Rahmen des Deutschunterrichts besuchten wir die Ausstellung „Wie überlebte Leokadia Justman die NS-Diktatur?“, da im Geschichtsunterricht gerade der Holocaust behandelt wurde. Schon im Vorfeld setzten wir uns intensiv mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinander. Mithilfe der Plattform erinnern.at erarbeiteten wir Referate über jüdische Menschen, die in Innsbruck gelebt haben, sowie über Themen wie das KZ Reichenau oder den Gauleiter Franz Hofer.
In der Ausstellung begegneten wir den bewegenden Lebensgeschichten von Menschen, die während des Zweiten Weltkriegs in Innsbruck lebten – als Opfer, Täter oder Helfer. Basierend auf dem Buch „Brechen wir aus“ von Leokadia Justman wurde Geschichte für uns plötzlich nah, greifbar und persönlich. Die einzelnen Schicksale machten spürbar, wie eng Ausgrenzung, Angst, Mut und Menschlichkeit miteinander verbunden sind und wie schnell sich das Leben eines Menschen durch Hass und Gewalt verändern kann.
Besonders eindrucksvoll war die Führung von Frau Selina Mittermeier. Ihre Worte, ihre Art zu erzählen und die spürbare Nähe zu den dargestellten Schicksalen haben uns tief berührt. Selten haben wir eine so emotionale Führung erlebt. Ihr abschließender Appell blieb uns besonders im Gedächtnis: Wir sind Unrecht, Kriegen und Diktaturen nicht hilflos ausgeliefert. Zivilcourage bedeutet, nicht wegzuschauen, Haltung zu zeigen und respektvoll miteinander umzugehen – gerade in Zeiten, die für Jugendliche wie Erwachsene oft beängstigend und verunsichernd sind.
In diesem Zusammenhang erinnerte uns ihre Botschaft an ein Zitat von Viktor E. Frankl: Zwischen Reiz und Reaktion gibt es einen Raum. In diesem Raum haben wir die Freiheit und die Macht, unsere Reaktion zu wählen. In unserer Reaktion liegen unser Wachstum und unsere Freiheit. So frei nach Frankl wurde uns bewusst, dass jeder Mensch – unabhängig von äußeren Umständen – die Verantwortung trägt, sich bewusst für Menschlichkeit zu entscheiden. Jede und jeder von uns hat die Freiheit zu wählen, was für ein Mensch er oder sie sein will.
Gerade an unserer Schule ist es uns wichtig, Toleranz zu leben, offen auf andere Menschen zuzugehen und Vielfalt als Bereicherung zu sehen. Der Besuch der Ausstellung hat uns eindrücklich gezeigt, wie wichtig Erinnerung ist – und wie notwendig es bleibt, auch heute aktiv für Menschlichkeit, Respekt und Zivilcourage einzustehen.